Ein Ring Fleischwurst zum „Walentinstag“ BA-Bericht vom 09.10.00

Gadernheimer Kerbredd: Konfirmandenfreizeit mit Hindernissen und Probleme mit dem Wecker

„Ein großes Dankeschön von unserm koatische Trupp an alle, die uns mit, Rat, Tat und Spende unterstütze dun“. Der Dank der Kerbjugend an die Sponsoren und Helfer stand am Ende der Kerbredd, in der Kerbparrer Hans Peter Mink und seine Mundschenkin Iris Hiemer gestern Nachmittag wieder Ereignisse aus dem Dorfleben versammelt hatten.

Die Kerbredd war nach dem Kerbzug der zweite Höhepunkt des Dorffestes bei der vierten Auflage nach der Wiederaufnahme der Kerb durch die Kerbjugend im Jahr 1997. Auch diesmal hatten es wieder zahlreiche Bürger geschafft, in der Ansprache verzeichnet zu werden.

Darunter war auch ein Gadernheimer, dem die Kerbjugend den „Goldene Bolze“ versprach für den Fall, dass, er weiter so fleißig zur Erheiterung seiner Mitmenschen beiträgt. Diesmal kämpfte er zunächst in einem Gasthaus mit alkoholischen Getränken und dann zu Hause mit dem elektrischen Wecker. „Doch des Scheißding wehrt sich so behände, dass nie die Zeit hot verstellt am Ende. Er waaß net mäi wie funktioniert des bleede Ding, also nimmt er's mit zur Wirtschaft hin“.

Hochtechnik im Gasthaus

Dort wird ihm geholfen, doch kaum ist er mit der Hochtechnik wieder zu Hause, muss er feststellen, dass die Hilfe umsonst war: Der Wecker hatte keine Batterie und war nun wieder verstellt. Erst mit telefonischer Unterstützung durch den Chef des Gasthauses selbst kam der geplagte Gadernheimer dann zu seiner Nachtruhe mit dem guten Gewissen, am nicht mehr so fernen Morgen nicht zu verschlafen.

„A die Raalbescher, mer solls net fer meeglisch haolde, wolle Millennium feiern –groad wie die Oalde. In die Tornhall muss mer gäih un mit Sekt un Trara em neije Joahr zeige: Hallo, ich bin da!" Es wurde dann auch wirklich ein feucht-fröhlicher Abend: „Noch net rischtisch drinn un die Kort geknickt, e Bier bestellt un glei uff die Hose geschidd“. Dortselbst fand sich später auch noch Sekt ein und auch der Inhalt eines Aschenbechers wurde von dem Gast aus dem Nachbardorf unfreiwillig verteilt.

Training für Olympia

Ein Raidelbacher Bauer hielt es ebenfalls nicht so genau mit der Sauberkeit und verteilte die Erntegaben von seinem Feld in Brandau auf der Heimfahrt auf den Straßen im Dorf. Da kam er aber bei einem Feuerwehrmann nicht gut an: Der sorgte dafür, dass die Hinterlassenschaften vom Verursacher wieder beseitigt werden mussten.

Fast zum Verhängnis wurde einer jungen Bürgerin das Trainingsprogramm für „Sydney 2000“. „Dor werd es deierschde Trimmdischgerät ins Haus noi gschlaaft mit der Meinung: noch e poor Woche hot me e Riesenkraft“. Doch die folgende Auseinandersetzung zwischen deal Trainingsinstrument und seiner Besitzerin ging zu Gunsten der Technik aus: „Un woas wor deere bassiert in erm harte Kampf - sie hot sisch on deere Maschin' die Hoarn eugeklemmt. Was ein Krampf. Un es oanzische, woas se greife konnt in ihrem Leid woar zum Glick ehr Handy, durch des wurd se befreit“.

„Wann e jung Gareme Pärche noch Spanjen in Urlaub fährt, wär oaner wou uffbasst alsemol net verkehrt“. Weil er abends vergessen hatte, am Automobil das Licht zu löschen, war des Morgens die Batterie leer. Also musste er das Auto aus der Parklücke schieben, doch er schob es - mit kräftiger Hilfe der eigenen Partnerin - sich direkt auf den Fuß. „Was soll isch jetzt mache', rieft se goanz leise un voller Demütischkeit. „Schieb mer es Auto vum Fuß, wenn's gäit aach noch heit!“

Konfirmanden unterwegs

Einmal im Jahr gehen die Konfirmanden auf große Fahrt, diesmal war das Ziel ein Freizeitpark. „Die Koste hod unsen Parrer vorher genau kalkuliert. Doch kaum woarn se dort, isses aach schun bassiert. Unsen Parrer hot nämlich goanz vergesse, dass die Brühler koan Sonderpreis mache - aach net fer gläubische Hesse“. Immerhin hatten die erwachsenen Begleiter genug Geld dabei, um die Kosten vorzustrecken. Doch es sollte nicht der letzte unfreiwillige Griff zum Portemonnaie sein: Bei der Rückfahrt „do häwwe die am Boahnhouf - ohne Mist. - vun Umsunschd' fer Parrer aach nix gewisst“.

Heimweg durch den Bach

„In Garen is, wie in jeem oannern Loand de Walentinstag als Liebestag bekannt. Mer macht sich Geschenke, um zu zeige, woas de Partner is wert. Un wann er's gebrauche koann, is es gor net verkehrt“. Ganz pragmatisch dachte ein junger Gadernheimer in diesem Fall und schenkte seiner Angetrauten einen Ring Fleischwurst. „Die Reizwesch woar ledschd Joahr - er kennt oahne woas isch denk, kommentierte der Kerbparrer dieses.

Ein aufregendes Erlebnis hatte ein Gadernheimer Kneipengast auf dem Heimweg: Als er sich auf den Weg zu seinem Auto macht, fährt plötzlich die Polizei vor. Der Zecher reagiert rasch und flüchtet, bis er über eine Brücke kommt. „Unnerwägs fällt em oi, dass die Bach, iwwer die er groad driwwer is, aach an soim Haus vorüberfließt. Kurzerhand - ewwer voll entschlosse – is der vun de Brick in die Bach geschosse. Durch dieselbe is er gelaafe donn a hoam“. Doch beim „Aussteigen“ verpasste er die richtige Stelle und stand deswegen unerwartet im Garten seiner Nachbarin. Die Polizei aber hat er nicht wieder gesehen, die Beamten hatten es gar nicht auf ihn abgesehen.


Olympia und die Benzinpreise: Wie es früher einmal war BA-Bericht vom 09.10.00

Bunter Kerbzug zog gestern Nachmittag durch die Gadernheimer Straßen /Altes Handwerk und viele „Hoase“

„Die goldene Zeide sinn vorbei, donn heit' koscht de Diesel 2,02“. Die Benzinpreise und die Ökosteuer waren eines der wichtigsten Themen im Gadernheimer Kerbzug. Vorbei sind die Zeiten der „Oma Anna“ aber noch nicht ganz: Ein Motivwagen zeigte gestern Nachmittag, dass man auch heute heizen kann „wie zu Omas Zeiten“. Die Ölquelle wird kurzerhand durch eine „Ebbelwoi-Quelle“ ersetzt.

Auch das Autohaus Seyfert hatte sich des Themas angenommen: Die Gadernheimer wollen jetzt selbst nach Öl bohren, um von Scheichs und Umweltministern unabhängig zu sein. Keine Probleme mit der Energieversorgung gab es bei den „Nibelungen“ vom Verschönerungsverein Gadernheim. Die Mitglieder präsentierten sich noch einmal in den Kostümen vom Nibelungenzug und zeigten außerdem altes Handwerk.

Einer-Kajak

Ebenfalls einen Blick in die Vergangenheit richtete der Tischtennisclub. Die Sportler zeigten „Olympia in Garen- wie es friehe mol woar“. Gezeigt wurde unter anderem der legendäre Einer-Kajak „Gareme Hoase 1“. Moderne Eindrücke von den Olympischen Spielen zeigte eine Firma für Licht und Tontechnik, die an ihrem Wagen Originalberichte aus Sydney abspielte. Sportliches gab es auch bei den einen Fußball-Fanclubs in Gadernheim zu sehen. Der Eintracht-Fanclub „Adlerwahn“ präsentierte Stürmer Salou und Trainer Felix Magath als überdimensionale Pappfiguren und auch der „Lilien-Sauf-Verein“ (LSV), ein nach junger Fanclub von Darmstadt 98, zeigte sich den Kerbgästen.

Kerbjugend macht Auftakt

Die waren zahlreich nach Gadernheim gekommen, hatte doch das schöne Wetter die Kerbjugend diesmal für den Umzug im Regen aus dem vorigen Jahr entschädigt. Den Auftakt bei dem Umzug machte die Kerbjugend mit dem Kerbkranz. Kerbparrer Hans Peter Mink und Mundschenkin Iris Hiemer fuhren in einer Kutsche mit. Der „Watz“, stilecht natürlich ein „Gareme Hoas“, folgte als einer der letzten Beiträge indem Umzug.

Die „Hoase“ wurden in diesem Jahr nicht losgelassen, und der TSV Gadernheim erläuterte warum: Das „Hoaserenne“, das einst als Ersatz für einen Kerbzug diente, ist jetzt überflüssig. Einerseits würden dafür noch einmal zahlreiche Helfer gebraucht andererseits wird den Kerbgästen auch so ein umfangreiches Programm angeboten. Deswegen bleiben die „Hoase“ auch in diesem Jahr im Stall.

Immerhin könnten sie eine neue Aufgabe bekommen, wie der Beitrag „Hoase Impossible“ nach dem gleichnamigen Kinofilm mit Tom Cruise zeigte. Es wurde aber auch „Big Brother“ auf die Schippe genommen der berühmte Container als idealer Platz für eine „Roammelei“.

Die TSV-Jugend setzte sich ein hohes Ziel: Die E- und die F-Jugend kündigten bereits jetzt an, im Jahr 2010 die Seniorenmeisterschaft nach Gadernheim zu holen. Die Jugendgruppe vom Lindenfelser Motorsportclub zeigte indem Kerbzug ihre Karts.

Als Gärtner erinnerten die Kinder und ihre Erzieherinnen vom Evangelischen Kindergarten „Arche Noah“ noch einmal an das Erntedankfest vom vorvergangenen Wochenende. Von der Vogelschutzgruppe präsentierte sich diesmal der Vorstand in trauter Runde auf, einem Wagen als „die owwere Veggel“.

Musik im Zug

Die Jugendfeuerwehr hatte einen Motivwagen aufgeboten. Er befasste sich mit einem Landwirt, der es mit der Sauberkeit auf den Dorfstraßen nicht so genau nahm. Die Geschichte war später auch in der Kerbredd zu hören. Freibier wurde am Wagen einer Gadernheimer Brauerei ausgeschenkt und gleich im Anschluss folgte „Hardcore“, ein Beitrag mit lautstarker Musik und Internet-Anschluss: „www.oane-noch.de“ Traditionellere Klänge verbreitete der Spielmannszug aus Frankenhausen.

Das Kultlied des Jahres aber war für die Landfrauen reserviert: Der „Anton aus Tirol“ war dort samt „Antonia“ zu Gast im „Disco-Stadl“. Die Landfrauen beanspruchen für sich, den Wert dieses Musikstücks als Erste erkannt zu haben: Schon bei der Landfrauen-Fastnacht Anfang des Jahres wurde nämlich der „Anton“ gespielt.

Hübsche Nixen und ein attraktiver Bademeister versammelten sich bei den schwimmbegeisterten Hausfrauen. „Linnefels is unser Ziel“, verkündeten die Wasserratten auf ihrem farbenprächtigen Wagen.

Zu sehen gab es auch die Gewinne für die Tombola, die am späteren Nachmittag auf dem Festplatz verlost wurde. Auch Lose konnten die Zuschauer schon beim Kerbzug kaufen. Bevor die Glücksfee zum Zuge kam, gab es aber erst noch die Kerbredd mit Geschichten aus dem munterem Dorfleben zu hören.

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