In diesem Jahr wieder ein Hoaserenne BA-Bericht vom 06.10.98

„Diggebaggemusigg“ und Live-Discos zur Gadernheimer Kerb am kommenden Wochenende

Die Kerb in Gadernheim, das wichtigste Fest des Ortes, wird nach alter Tradition am zweiten Wochenende im Oktober gefeiert. Auch in diesem Jahr stehen der Kerbzug und die Kerbredd im Mittelpunkt. Die Vorbereitung und Gestaltung der „Gareme Kerb" hat die Kerbjugend übernommen, die im vergangenen Jahr die Kerb nach langer Pause hatte wiederaufleben lassen.

Nachdem es seit Jahrzehnten in Gadernheim keine richtige Kerb mehr gegeben hatte, war auch die Scholze-Kerb im Unterdorf nach 14 Jahren wieder eingestellt worden. Der Vereinsring Gadernheim will wegen der hohen Kosten keine Tanzveranstaltung mehr in der Heidenberghalle organisieren.

Damit bleibt der Kerwejugend die Durchführung der Kerb überlassen. Sie hat diese engagiert übernommen. Schon die Vorkerb auf dem Festplatz neben dem Sportplatz im August war ein Erfolg. Dabei konnten die Jugendlichen Erfahrungen sammeln. Außerdem konnte schon ein ansehnlicher Betrag an Einnahmen für die Kerb verbucht werden. Es entstehen bei einem solchen Fest immer Kosten, zum Beispiel für Gebühren und Versicherungen.

Außerdem hatte sich die Jugend kurz vorher zu einem Gadernheimer Kerweverein (GKV) formiert. Ziel dieses Vereins ist die Unterstützung und Erhaltung der Gadernheimer Kerb. Man will die Brauchtumspflege früherer Zeiten wieder lebendig werden lassen.

Dabei wurden die einzelnen Aufgaben an die Vorstandsmitglieder verteilt. Die Kerb findet am kommenden Wochenende statt. Am Freitag (9. Oktober) trifft sich die Jugend um 19 Uhr im Gasthaus „Zum - Kaiserturm", um gemeinsam, den Kerbkranz, das Symbol der Kerb, zu wickeln. Er wird dann so aufgehängt, dass er nicht so leicht gestohlen werden kann.

Anschließend ist Country-Musik und ab 22 Uhr die „Happy Hour". Außerdem wird im TSV-Heim am Sportplatz die Gruppe „Vun Hinne" die „Hoasekerb" eröffnen. Ab 21 Uhr sind Gäste zur Live-Disko bei freiem Eintritt willkommen.

Ein Schausteller wird auf dem Festplatz n einen umfangreichen Vergnügungspark aufgebaut haben. Am Samstag (10. Oktober) wird eine weitere Live-Disko im TSV-Heim geboten, die von der Lautertaler Formation „Rockin' Ocean" gestaltet wird. Das Gasthaus „Zum Kaiserturm" lädt die Jugend ebenfalls am Samstagabend zur Kerwe-Disco mit „D. J. Moch" ein.

Der Sonntag (11. Oktober) beginnt im „Kaiserturm" mit einem Frühschoppen. Das „Hoase-Duo" soll am Sonntagabend für Stimmung sorgen. Wichtigster Anziehungspunkt wird der Kerbzug am Sonntag um 13 Uhr sein und die anschließende Kerbredd am Sportplatz. Um 15.30 Uhr beginnt dort das „Hoaserenne". Der Besuch des Rummelplatzes mit seinen Ständen, mit einem Autoscooter und dem Karussell darf dabei nicht fehlen. Um 18 Uhr werden am Sonntag „Winkler und Winkler" mit ihrer „Diggebaggemusigg" im Haisje die Gäste unterhalten. Der Montag beginnt mit einem Frühschoppen im „Kaiserturm" mit dem „singenden Wirt".

Weiter haben die Organisatoren die Gruppe „Jumble" für den Montag im TSV-Heim verpflichtet. Zudem wird zu einem Schlagerfestival mit dem Bergsträßer Musiker „Rico Bravo" eingeladen. Ab 21 Uhr soll im TSV-Heim mit einer Live-Disko gefeiert werden. Ausklingen soll die Kerb am Dienstag im „Haisje" mit dem Heringsessen. Auch die anderen Gaststätten werden an der Kerb mit besonderen Speisen für das leibliche Wohl der Gäste sorgen.


Kaum aufgestellt, schon wieder Weg BA-Bericht vom 09.10.98

Kerbjugend sauer wegen geklauter Plakate

Wer in der vergangenen Woche die Mitglieder der Kerbjugend traf, spürte zwar, dass die jungen Leute mit Begeisterung in der Vorbereitung für das Fest waren, musste sich aber doch übe eine merkwürdig gedrückte Stimmung in der Runde wundern. Die hatte einen Grund: Ihre Werbung für die Garem Kerb war praktisch vergeblich gewesen.

Um alle Lautertaler über das bestehende Fest in Gadernheim zu informieren, hatte die Kerbjugend eine Menge Plakate auch in den umliegenden Ortsteilen aufgestellt. Informiert waren die Bürger dort dann über das Kerbprogramm dennoch nicht. Allein 21 Poster samt Plakatständer wurden nämlich, kaum aufgebaut, geklaut. Alle Mühen und Kosten umsonst.

Nur die grellgrünen Plakate, die in verschiedene Schaufenster geklebt wurden, waren sicher und die, die hoch genug, beispielsweise an Straßenlaternen gehängt wurden, blieben verschont. Nicht angetastet wurden glücklicherweise auch, die auffallend orangefarbenen Hinweisschilder auf die „Hoase-Kerb“ an den Ortseingängen.

Dennoch ist Kerbjugend verständlicherweise ziemlich sauer auf die unbekannten Täter, die ihnen die Werbung vermasselt und soviel Ärger bereitet hat. Sie hat Anzeige erstattet.


Und diesmal mit dem Hoase-Renne BA-Bericht vom 09.10.98

Abwechslungsreiches Kerbprogramm unterhält von Freitag bis Dienstag

Fünf Tage lang wird in Gadernheim Kerb gefeiert. Die „Gareme Kerb" beginnt am Freitag (9.) um 19 Uhr am Gasthaus „Zum Kaiserturm". Da trifft man sich zum Kerwekroanzwiggelle. Ist der traditionelle Kerweschmuck angefertigt dann steht ab 21 Uhr im Gasthaus an .der Nibelungenstraße Country-Musik auf dem Programm. Ab 22 Uhr gibt es dort dann eine Stunde lang Live-Musik. „Happy Hour“ heißt das Motto an der Bar.

Ebenfalls am Freitag spielt im Haisje am Sportplatz ab 21 Uhr die in der Region inzwischen bekannte Band „Vun Hinne". Am Sportplatz sorgt ab Samstag ein Vergnügungspark für Unterhaltung. Unter anderem wird es eine Reitschule, einen Schießstand und ein Fahrgeschäft mit Autoscooter geben. Im Gasthaus „Zum Kaiserturm" wird ab 20 Uhr zur Kerwedisco geladen. DJ Moch alias Jens Zehrbach kümmert sich um die Musik. Ab 22 Uhr wird der Abend im Kaiserturm bis 23 Uhr erneut mit einer „Happy Hour" ausklingen. Im Haisje am Sportplatz wird dagegen die Gruppe „Rockin' Ocean" die Kerwefans in Stimmung versetzen. Das Konzert beginnt dort um 21 Uhr.

Alle Kerwefans kommen am Sonntag auf ihre Kosten. Ab 10 Uhr können sie sich zum „Friehschobbe“ im Gasthaus „Zum Kaiserturm“ versammeln und sind dort bis 13 Uhr willkommen. Im direkten Anschluss steht zwischen 13 und 20 Uhr ein „gemiedlisches Beisoammesoi" an.

Wer sich mehr bewegen möchte, sollte um 13 Uhr auf die Straße hinausgehen, um den Kerbumzug zu erleben. Und auch der Weg zum Sportplatz lohnt. Ab 14.30 Uhr wird dort die Kerweredd vorgetragen. Damit aber noch nicht genug. Im Zweijahresrhythmus, gibt es im Rahmen der Kerb das beliebte Hoese-Renne auf dem Sportplatz. Am Sonntag ab 15:30 Uhr ist es wieder soweit. Ab 18 Uhr wird im Haisje dann Stimmungsmusik unter dem Motto „Diggebaggemusigg“ geboten. Das Duo „Winkler und Winkler“ wird erwartet. Auch im Gasthaus „Zum Kaiserturm“ gibt es Programm. Ab 20 Uhr spielen dort zwei Musiker, die unter dem Namen „Hoase-Duo“ bislang noch nie zu hören waren. Keyboard und Orgel sind ihre Instrumente.

Auch am Montag können Kerwefans gemütlich mit einem Frühschoppen im Gasthaus „Zum Kaiserturm“ beginnen. Ab 10 Uhr erwartet sie dort auch der singende Wirt.

Hoch her geht es abends dann zum Finale noch einmal im Haisje am Sportplatz. Ab 21 Uhr verspricht das Programm ȁMusigg, Musigg, Musigg“ und lädt zu einem „Schlager Festival“. Als Gast wird bei der Gadernheimer Kerb erstmals Rico Bravo erwartet, zudem spielt die Gruppe „Jumble“ auf.

Erholen vom Festtagsstress lässt es sich bereits am Dienstag. Da steht nur noch ein einzige Kerbtermin im Programm: Das gesellige Heringsessen. Kerwefans treffen sich dazu um 17 Uhr im Haisje.




Gedopte „Hasen“ feiern auch im Regen BA-Bericht vom 12.10.98

Großer Umzug zum Dorffest gestern Nachmittag / „Titanic“ aus dem Meer gehoben

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft: die Motive des großen Kerbzuges gestern in Gadernheim waren bunt gemischt. Und hätten alle ein Problem, den großen Regen. So sah schon bald die „Titanic“ aus, als sei sie direkt aus dem Meer gehoben worden. Die Vorhut des Dampfers, die „Geretteten“, marschierten triefend nass an der Spitze des Zuges, der von einer Reiterstaffel angeführt wurde.

Das Wetter sorgte dafür, dass die Kindergartenkinder aussahen, als seien sie aus dem Wasser gezogen worden. Aus der Toilettenschüssel wurde das Handy geangelt, das einem stolzen Besitzer nach einem menschlichen Bedürfnis dort hineingefallen war. Die Geschichte fand sich als Posse später in der Kerbredd wieder.

Hätte sich Guildo Horn mit Nussecken von einem Gadernheimer Bäcker gestärkt, bevor er beim „Grand Prix“ auftrat, hätte er bestimmt einen besseren Platz einheimsen können, meinte zumindest ein Motivwagen im Zug. Ein anderer Beitrag erinnerte an die Geschichte mit dem Krankenwagen, der bei eisglatten Straßen einen Patienten im Gadernheimer Pflegeheim abzuliefern hatte. Die steile Auffahrt zur Straße schaffte er nur, weil sich ein Freiwilliger hinten auf das Trittbrett gestellt hatte. Dieses zusätzliche Gewicht war sehr wertvoll, wurde jedoch schnell vergessen.

Schlagzeilen produzierte in diesem Jahr die Dopingaffäre bei der „Tour de France“. Klar, für Gadernheim konnte auch das „Festina-Team" engagiert werden. Der Tischtennisclub warb süffisant mit vielen leeren Medikamentenpackungen für das Doping: „Keine Angst vor Drogen“. Fleißig am Üben für dieses Geschäft ist schon die Hometrainer-Gruppe. Die jungen Sportler strampelten sich allerdings ohne Drogen durch den Kerbzug.

Mit anderen Problemen behaftet ist die Raumkapsel Mir. Das Borger-Team vom vorigen Jahr schrieb: „Die Russen haben nur gelallt, da haben wir uns die Mir gekrallt“. So schnell lässt sich die Gadernheimer Feuerwehr sicherlich nicht ihr Gerät entwenden, sie ist immerhin 50 Jahre alt und erfahren genug. Mit einem Motivwagen waren die freiwilligen Brandschützer bei dem Umzug dabei.

Die sprichwörtliche Butter lässt sich ein Gadernheimer nicht vom Brot nehmen. Mit dem Kochlöffel wollte er einen vermeintlichen Einbrecher abwehren. Doch dieser war nur ein Zeitungsbote. Diese Kerbreddposse musste auch im Zug vertreten sein. Sie sollte später von Kerbparrer Hans Peter Mink und Mundschenk Andreas Jährling vorgetragen werden. Das Duo ließ sich mit der Kutsche durch das nasse Wetter chauffieren.

Stimmung unter den Gästen verbreiteten der Posaunenchor Gadernheim und auch die Kerbjugend von Brandau. Was waren das noch für Zeiten, als Fred Feuerstein mit einem Wägelchen aus Holz und Steinrädern durch die Lande zog. Wurde das Gefährt nicht mehr gebraucht, zerfiel das Holz zu Erde und die Steine störten nicht weiter. Wenn aber einer ein abgemeldetes Auto jahrelang in seiner Hofeinfahrt stehen lässt, rostet das nur vor sich hin und wird zum Schandfleck für den Ort. Einen solchen Schandfleck wollte die Gadernheimer Jugend nicht länger ertragen. Mit einem neuen Motor wurde die Rostlaube wieder fahrtüchtig, und eine Mülltonne an einem intakten Wagen soll zeigen, wo sie eigentlich hingehört.

Bis in den Dezember müssen die Felder abgeerntet sein und die Landfrauen zeigten mit welchem Gerät früher in Gadernheim gearbeitet wurde. Nach dem Spendenwagen, der als Danksagung an die vielen Sponsoren des Dorffestes zu verstehen war, folgte in der Reihe der Verein der Hundefreunde Lautertal mit einem Motivwagen.

„So wie die Alten sungen, zwitschern die Jungen“: Die Jugendgruppe der Vogelschutzgruppe Höhengemeinden feiert ihr 10jähriges Bestehen. Eine Papp-Eule, ein Symboltier des Naturschutzes, war auf dem Wagen mit dabei. Naturschutz und Motorsport vertrugen sich zumindest bei der Gadernheimer Kerb.

Eine Gruppe Kartfahrer vom MSC Lindenfels folgte dem Fichtengeschmückten Wagen. Sportlich ging es weiter mit dem Beitrag vom „Adlerwahn“, einem örtlichen Fanclub der Eintracht Frankfurt. Weniger sportlich, aber mit dem Kerbkranz geschmückt, zeigte sich der Kerbwatz.

Guildo hat Euch lieb klingt nicht so persönlich wie „Kolmbach hat Euch lieb“, oder? Anfang November wird im Nachbarort die Kerb gefeiert. Keulenschwingend bildete Fred Feuerstein das Ende dieses Gadernheimer Kerbzuges. Musikalische Beiträge dazu lieferte nicht nur der Posaunenchor, sondern auch der Spielmannszug Frankenhausen.


Gastwirt überfällt Zeitungszusteller BA-Bericht vom 12.10.98

Gadernheimer Symbolfiguren berichten aus dem Dorfleben / „Pleiten, Pech und Pannen“

Versprochen ist versprochen: „om gleiche Ort zur selwe Zeit“ findet in diesem Jahr die Kerbredd statt. Kerbparrer Hans Peter Mink und Mundschenk Andreas Jährling begrüßen die vielen Kerbgäste am Gadernheimer Sportplatz, denn in diesem Jahr findet die zweite Kerb in Gadernheim nach vielen Jahren Pause statt. „Die Kerb is werre do, des macht uns all gliglisch un froh.“

Viele „Pleiten, Pech und Pannen“ sorgen für Stoff für die Kerbredd. Pech hatte ein Gadernheimer der sich eine neue Freundin zugelegt hat - „mer braucht fer die a e'scheines Bett.“ Nach dem wohlüberlegten Einkauf wird das Holzgestell Marke Eigenbau zusammengeschraubt. Jetzt muss der Handwerker feststellen, dass die Heizung, die zu tief hängt, ihm einen Strich durch die Rechnung macht. „Doch jetzt lägt er escht rischdisch lous“. Nach einigen Sägearbeiten hat er das Problem gelöst und das Bett konnte nicht mehr umgetauscht werden.

Auf jedes neue Handy gibt es Garantie - aber nicht bei Wasserschäden. Die stolze Handybesitzern trägt ihr erst neu erworbenes Gerät in der Gesäßtasche und vergisst die Technik völlig, als sie einmal das „stille Örtchen“ besucht. „Als sie fertig war, muss die Hoos a ruff, des iss doch kloar.“ Dabei passiert das Malheur: blitzschnell wird das Handy zwar aus dem Feuchten gefischt - es war aber dennoch nicht mehr zu retten.

Sensibel hat man in Gadernheim reagiert, nachdem einige Einbrecher im Ort ihr Unwesen getrieben hatten. Ein Gastwirt zeigte Mut, als er zu später Stunde Geräusche hört und der Sensor von der Tür her einen hellen Schein wirft. „Des misse die Enbrecher soi“, denkt er und bewaffnet sich mit einem großen Suppenlöffel. „Er reißt die Deer uff, un mit aom Satz steit er drauß“. Vor lauter Schreck muss sich der „Bildzeitungslieferant“ erst einmal an die Wand lehnen.

Wenn das Verhältnis von Kraft zu Verstand nicht mehr stimmt, kann das böse enden. Nach dem Tischtennis-Training geht die Mannschaft noch „en Schoppe Bier, e Gläsche Äbbelwoi un e poor Däumling“ trinken. „Nach 'ne gewisse Zeit, neigt mer ball zur Übereifrischkeit“. Ein Sportler spielt mit einigen kleinen Schnapsfläschen und plötzlich kommt ihm der Gedanke, einen Turm zu bauen. Doch „de blede Dinger finne sou koan Hoalt“. Kraft hat man ja genug, also werden die Fläschchen mit Gewalt zusammengesteckt. Das hatte Folgen, denn „es Fläschje hoat in soiner Hand gestocke“.

„Trau niemals deiner Mülltonne nicht“ oder „Mann am Steuer, das wird teuer“, könnte die Überschrift der nächsten Glosse sein. Eilig hatte es der junge Autofahrer am frühen Morgen. Mit dem Auto wollte er rückwärts aus dem Hoftor raus, „un schun machts bauf“: Die Mülltonne hatte er bei seiner rasanten Fahrt übersehen. Übersehen hatte er auch den Schaden, den er dabei angerichtet hatte. Ein paar Tage lang hat er sich nur gewundert, „hinne hoats gerumpelt goanz und goar“. Die Erklärung findet schließlich der Automechaniker „Doin Auspuff iss verschwunne“.

Auch einem Krankenwagenfahrer sollte man nicht immer trauen, denn sonst könnte man vor Kälte erstarren. Bei eisiger Winterkälte bringt ein Krankenwagen einen Patienten in das ortsansässige Pflegeheim. Die steile Abfahrt hinunter zum Haus überwindet er trotz Glatteis ohne Probleme, und der Fahrer ist froh, seine menschliche Fracht los zu sein und wäre noch glücklicher, wieder heil nach Lindenfels zu kommen. Doch muss er schnell merken, „dass er ohne Hilfe net wegkimmt von dem Ort“. Hilfe naht herbei und der junge Mann stellt sich hinten auf das Trittbrett und wackelt hin und her. So gelangt der Krankenwagen auf die Straße und „schun düst er Richtung Linnefels“. An seinen Fahrgast, der sich im eisigen Winterwind am Heck mühevoll festhält, denkt er erst einige hundert Meter später wieder.

Knappe 70 Mark hätte sich ein Zeitgenosse sparen können, hätte er sich vor dem Kauf eines verschließbaren Tankdeckels über die Technik seines Autos Gedanken gemacht. Dem jungen Mann fiel eines Tages beim tranken auf, dass er keinen verschließbaren Tankdeckel hat und damit die Gefahr besteht, „do zappt misch oaner ou orre fillt mer eijendwoas noi“. Als er endlich den verschließbaren Tankdeckel in der Hand hält fragt ihn seine Frau: „Fer woas en oabschließbare Deckel bei Zentralverrieglung?“

Nach der Kerweredd war die Kerb in Gadernheim noch lange nicht zu Ende: Ȏs Hoaserenne fängt jetzt ou“.


Schlechtes Wetter tut Stimmung keinen Abbruch BA-Bericht vom 13.10.98

Gadernheimer feiern auch im Regen Kerb / Großer Umzug

Im Mittelpunkt der Gadernheimer Kerb standen der große Kerbzug und die Kerbredd. Bei strömendem Regen stellten sich die 30 Gruppen im Unterdorf bei der Firma Eichhorn und Walter auf. Über die Nibelungenstraße, die Raidelbacher Straße und die Wiesenstraße ging es zur Kreuzung Heidenbergstraße/Wiesenstraße, wo die Kerbredd gehalten wurde.

Überall wurde der Zug von vielen Zuschauern mit Regenschirmen freudig begrüßt. Das schlechte Wetter konnte der Stimmung keinen Abbruch tun. Angeführt wurde der Zug von sechs Reitern aus dem Scholzehof. Als Ballonfahrer folgten Mitglieder des Kerwevereins. Eine ortsansässige Bäckerei verteilte von ihrem Wagen Nusskuchen, der gern angenommen wurde. Der evangelische Kindergarten Gadernheim marschierte mit Schwimmutensilien, unter der Führung ihrer Erzieherinnen mit. Der Wagen des Kerwevereins mit dem Titel „Titanic“ ließ alte Erinnerungen lebendig werden. Die Freiwillige Feuerwehr machte mit ihrem Motivwagen auf das „Haus Elisabeth" aufmerksam.

Eine vorschriftsmäßig gekleidete Radfahrgruppe ließ sich von dem Regen nicht verdrießen. Große Aufmerksamkeit erweckte der Wagen der Gadernheimer Jugend mit dem Motiv „MIR UdSSR" mit ihren weißen Lackieranzügen, die als Gareme Space Association“ daherkamen. Die Freiwillige Feuerwehr wies mit ihrem Wagen auf das 50jährige Jubiläum der Wehr im nächsten Jahr hin.

Ein Optiker aus Ober-Ramstadt verteilte an die Zuschauer Süßigkeiten. Der Posaunenchor unterstützte den Kerweumzug mit Musik. Mit einem Müllgefäß auf dem Auto erinnerte der Kerweverein an ein besonderes Erlebnis.

Mit „Viel Grieß aus Branne“ war der Nachbarort Brandau vertreten. Auch einem verfrühter Nikolaus mit Rute war im Zuge. Weiter wurde für den Neunkircher Weihsnachtsmarkt im Dezember geworben. Die Landfrauen von Gadernheim in ihrer Vereinskleidung und mit den Erntegeräten aus früherer Zeit gaben ein buntes Bild ab. Für Marschmusik sorgte Spielmannszug aus Frankenhausen.

Der Lautertaler Hundeverein führte seine Rassehunde mit. Die Jugendgruppe des Vogelschutzvereins Lautertal-Höhengemeinden erinnerte an ihr 10jähriges Bestehen. Mit dem Aufruf „Die drei schönsten ' S' im Leben“ wurde zur Kolbesche Kerb aufgerufen. Der Eintracht-Fanclub „Adlerwahn“ und der MSC Lindenfels mit rasenden Motorkarts fehlten nicht. Den Schluss bildete der Kerbwatz.




Falk Degenhardt und Jens Erbse verteidigen den Titel BA-Bericht vom 14.10.98

In Gadernheim rannten die „Hoasen“ am Kerbsonntag wieder

Wenn in Gadernheim die „Hasen“ rennen, ist alles vergessen, sowohl das Wetter und der Kerbsamstag, der bei vielen bis weit in den Kerbsonntag dauerte. Auf dem Sportplatz wurde am Sonntag ein sportlicher Parcours aufgebaut, der aber nicht immer verbissen sportlich genommen wurde.

Da „Hasen“ hüpfen, beginnt dieser Parcours eben mit Sackhüpfen. Auch das Trinken aus einer Gießkanne, die in einiger Höhe angebracht ist, will gelernt sein. Das nächste Hindernis hieß „Tonnenrollen“ - weil die Wettkämpfer paarweise an den Start gehen, musste sich ein Kerbfreund einer Rollkur unterziehen. Nach einer Stärkung mit einem Mohrenkopf ging es zum Mülltonnenfahren, natürlich auch im Slalom. Schließlich gab es etwas Richtiges zu essen. Hasen freuen sich auf Möhren. Als die Wippe geschafft war, war die Mülltonnenfahrt auch schon beendet. Wer schafft es, die Mistgabel in den Heuballen zu werfen? Fast jeder, aber sie muss stecken bleiben. Das war schon schwieriger, zum Trost gab es einen Schnaps. Im „Bloody Hoose“ sind Wodka und Möhrensaft gemischt. Nun hatte auch der letzte „Hoas“ genügend Kraft, den steilen Hang zur Schmierseifenbahn zu erklimmen.

Unten angekommen, muss im Sekundenlauf, es gilt oft, wichtige Zeit gutzumachen, zur Fanfare gesprintet werden. Das I-Tüpfelchen des nicht ganz so ernst zu nehmenden Spaßes ist Michaela Marx, die in lockerem Ton das Wettrennen kommentiert.

Viel Zeit auf dieser Tour hatten sich Kerbparrer und Mundschenk gelassen. Ȏigentlich wollten wir heute kein Flutlicht anmachen“. Hans-Peter Mink und Andreas Jährling wurden dann auch triumphal letzte. „Ihr braucht nicht zu klatschen“, war ihr Kommentar dazu. Immerhin 3:17 Minuten brauchte das Bäckerteam Petra und Elli. Mit Schwung waren die Damen über die Matte am Ende der Rutsche hinausgeschossen. Das hatte Michaela Marx freilich schon im Vorfeld kommen sehen.

„J. J.“ und „Bommel“, schafften den fünften, Jörg und Robert den vierten Platz. Dritte wurden Marcel und Bertram. Mit der umgefallenen Mülltonne erlebten Thomas und Silke Böhm einen Kraftakt, schafften dann aber einen stolzen zweiten Platz mit 2:28 Minuten. Superschnell waren auch in diesem Jahr Falk Degenhardt und Jens Erbse. Mit nur 2:07 Minuten verteidigten sie ihren Titel vom vorigen Hasenrennen und werden ihren Sieg sicherlich gebührend gefeiert haben.


Schon die Vorkerb war ein Erfolg BA-Bericht vom 20.10.98

Gadernheimer Kerwefans wählen Hans-Peter Mink zum Kerwevereinsvorsitzenden

Nach jahrzehntelanger Pause wurde 1997 zum ersten Mal wieder die Gadernheimer Kerb mit Kerwezug und Kerweredd gefeiert. Auch dieses Jahr stand der große Kerweumzug und die Rede des Kerweparreres Hans Peter Mink im Mittelpunkt des Festes. Dies war jedoch nur möglich, weil sich junge Leute zusammenfanden, um die umfangreichen Vorbereitungen zu treffen. Man packte es aber einfach an und ließ im Engagement nicht nach - auch als man merkte, wie viel Arbeit dafür notwendig ist.

Schon die Vorkerb, die zur Finanzierung der Unkosten im August veranstaltet wurde, führte zu einem vollen Erfolg. Bei der diesjährigen „Gareme Kerb“ wirkten neben vielen Helfern auch die jungen Frauen Annika Baltz, Ramona Bickelhaupt, Bianca Böhm, Iris Hiemer, Tanja Klein und Madeleine Villhard mit. Damit die Kerb auch in Zukunft auf festem Grund steht, hat sich jetzt die Kerwejugend im Gasthaus „Zum Kaiserturm“ in Gadernheim zu einem Gadernheimer Kerweverein (GKV) formiert. Als Wahlleiter fungierte Mark Schnellbächer.

Zum ersten Vorsitzenden des Vereins wurde der 24jährige Hans-Peter Mink gewählt. Sein Vertreter wurde Mark Schnellbächer. Das Amt des Schriftführers übernimmt Holger Werner. Der wichtige Posten des Rechners wird von Dirk Baltz besetzt. Die technische Leitung übernimmt Michael Lang. Als Getränkewartin wurde Christiane Saupe und als Springer Jens Zehrbach gewählt.


Ziel: Das Brauchtum beleben

Anschließend wurde die schriftlich vorgelegte Satzung des Kerwevereins einstimmig angenommen. Danach verfolgt der Verein ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnittes „steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabeordnung. Er verwirklicht insbesondere die Unterstützung und Erhaltung der Gadernheimer Kerb. Das bedeutet, die Gruppe will das Brauchtum früherer Zeiten, wieder lebendig werden lassen. Es sollen möglichst viele Bürger und Vereine an der Vorbereitung und Durchführung der jährlichen Kirchweih am zweiten Wochenende im Oktober beteiligt werden. Damit soll das traditionelle Fest im Bewusstsein der Bevölkerung verhaftet bleiben.

Mitglied im Kerweverein kann jede natürliche Person werden, die sich dem Vereinszweck verpflichtet fühlt. Eine Jahreshauptversammlung soll künftig stets im ersten Vierteljahr jedes Jahres stattfinden. Zu der Mitgliederversammlung ist durch Bekanntmachung im Bergsträßer Anzeiger mindestens zwei Wochen vor dem Versammlungstag einzuladen, entschied die Versammlung. Beschlüsse werden mit der Mehrheit der anwesenden Mitglieder gefasst.

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