Einfach angepackt BA-Bericht vom 10.10.97

Kerbjugend sorgt für neuen Kerbumzug

Ganz nett sind die Dorf-Feiertage Mitte Oktober immer, da gibt es in Gadernheim keine Diskussion. Seit es aber keinen Kerbumzug mehr gibt, fehlt dem Fest doch etwas. Die Mitglieder der Kerbjugend sprechen es offen aus: „Irgendwie langweilig“ sei die Kirchweih ohne Umzug geworden. Weil sich die zwölf jungen Leute damit nicht abfinden wollten, haben sie die Organisation spontan selbst in die Hand genommen. Ergebnis: Nach 46jähriger Pause wird am Sonntag wieder ein Kerbzug durch Gadernheims Straßen ziehen.

Hans-Peter Mink, Dirk Baltz, Holger Werner, Mark Schnellbecher, Michael Lang, Thomas Ross, Marcel Mang, Alexander Eckstein, Sascha Böhm, Andreas Knerr, Falk Degenhardt und das einzige weibliche Kerbjugendmitglied Tanja Spreng kennen die Umzüge nur aus den Erzählungen von Eltern und Großeltern. Sie haben die Aufgabe deshalb recht unvoreingenommen angepackt, einfach alle Gadernheimer Vereine angeschrieben, von ihrer Idee erzählt. Die Begeisterung der jungen Leute steckte viele Gadernheimer an.

Von Vereinen seien ebenso unterstützt worden wie von Geschäftsleuten und privaten Kerwefans, beispielsweise mit Spenden, betonten die Kerbjugend-Mitglieder. Wie viel Arbeit erforderlich ist, bis das Fest losgehen kann, hat die Gruppe allerdings ein bißchen unterschätzt. Wie viele Genehmigungen einzuholen, Auflagen zu beachten sind, hätten sie zuvor nicht gewusst, räumen die Jugendlichen ein.

Nachdem die Organisation endlich stand, hatte die Kerbjugend in den letzten Tagen aber selbstverständlich auch mit der Vorbereitung der Kerbrede zu tun. Auch die ist für das Kerbteam Premiere. Mit Redenschreiben haben Kerbparrer Hans-Peter Mink – der 23jährige ist Fliesenleger – sowie Mundschenk Sascha Böhm und Kerwewatz Falk Degenhardt – die beiden 19jährigen arbeiten als Schreiner und Zimmermann – üblicherweise nichts zu tun. Aber sie haben sich umgetan, beraten lassen und dürfen deshalb hoffen dass ihr Auftritt am Sonntag gut ankommt.


Fast dreißig Motive dabei BA-Bericht vom 10.10.97

Die Kerbjugend ist stolz darauf, dass sie es geschafft hat, viele Gaderneimer von ihrem Vorhaben zu begeistern, einen neuen Kerbzug zu organisieren. Und das darf sie auch sein. Knapp dreißig Nummern immerhin waren gut zwei Wochen vor dem Umzugstag bereits angemeldet. Mancher Verein beteiligt sich sogar mit einer Fußgruppe und einem Motivwagen am Zug.

Mitlaufen wollen am Sonntag neben der Kerbjugend selbst unter anderem der Hundeverein, die Jugendfeuerwehr, die Tischtennisgruppe, der Spielmannszug Frankenhausen, Bäcker Volker Knapp, die Hahnballjugend des TSV, Hans Seyfert, die Trachtengruppe Reichenbach, eine Gruppe des Gadernheimer Kindergartens, die Fußballabteilung, der Posaunenchor Gadernheim, die Gadernheimer Landfrauen, der Eintracht-Fanklub, der Vogelschutzverein, der Spielmannszug aus Jugenheim, die Fußballfrauen, die Handballgruppe, die Geflügelzüchter, der Scholze-Heinz mit seinen Pferden und die Gruppe „Grummstiwwel“ sowie eine Kutsche mit dem Kerbparrer. Mit dabei sind selbstverständlich auch ein Freibierwagen sowie ein Wagen der Schürzenjäger und der Eichhornwagen.


Vogelschützer warnen: Der Schluckspecht ist bedroht BA-Bericht vom 13.10.97

Beim ersten Kerbzug nach 46 Jahren sind die „Gareme Hoase“ mit mehr als dreißig Nummern im Dorf unterwegs

Für die Premiere der „neuen“ Kerb hatte die Kerbjugend gestern Nachmittag einen großen Kerbzug zusammengestallt. Mehr als 30 Positionen um fasst der Lindwurm, der sich durch das Dorf zog und schließlich in der Wiesenstraße Halt machte, wo die Kerbredd verlesen wurde.

Kerbparrer Hans-Peter Mink und Mundschenk Sascha Böhm fuhren in einer Kutsche. Bürgermeister Jürgen Kaltwasser begleitete sie dabei. Angeführt wurde der Zug von der Kerbjugend mit dem Kerbkranz.

Entsprechend der volkstümlichen Bezeichnung für die Bürger des Dorfes standen Hasen im Mittelpunkt des Umzuges. Die Kindergartenkinder waren als leibhaftige „Gareme Hoase“ verkleidet. Eine andere Gruppe verwies auf den Kultfilm „Hoase in Black“, der unter dem neuen Titel „Man in Black“ derzeit in den Kinos läuft.

Auf eine andere Tierart wies die Vogelschutzgruppe DBV Höhengemeinde hin. Der „Schluckspecht“ ist nach Informationen der Ornithologen in seinem Lebensraum bedroht. Die Jugend der Gruppe hatte einen großen Nistkasten in dem Zug dabei. Vertreter war auch der Rassengeflügelzuchtverein Gadernheim.

„Feuerwehr damals und heute“ präsentierten sich die Mitglieder der Jugendfeuerwehr auf einem Motivwagen. Über mangelnden Nachwuchs klagte dagegen der Tischtennisclub, der auf seine Geschichte seit 1951 verwies. Der TSV ist damit noch vergleichsweise gut ausgestattet. Er konnte im dem Zug nicht nur seine große Jazztanzgruppe, sondern auch die E-Jugend der Handballabteilung vorweisen. Die Fußballer griffen dagegen den bevorstehenden Verkauf des Gandernheimer Wahrzeichen Kaiserturm – der sich auch im TSV Wappen befindet- auf. „Wie reagiert die Gemeinde?“ wurde öffentlich gefragt. Noch in den Anfängen steckt die Damenfußballmannschaft. „Aller Anfang ist schwer“, titelten die Frauen nach ihren ersten zwei Spielen gegen die Damen der SG Lautern: Während eine Begegnung siegreich für Gadernheim endete, klappte im Rückspiel die Revanche der Lauterner.

„Jedes Joahr am erschde Mai sinn mer in der Rei“ verkündeten die Freizeit-Fußballer der „Gareme Grummstiwwel“. An diesem Tag richten die Kicker regelmäßig eine Feier zwischen Beedenkirchen und Brandau aus. Weitere Fußballfans waren auf dem Wagen des örtlichen Fanclubs der Eintracht Frankfurt, mit dem Namen „Adlerwahn“, versammelt. „Bundesliga, wir kommen“ war der Titel dieses Beitrages.

Der Verein der Hundefreunde war in dem Zug vertreten, wie auch der Landfrauenverein. Die Damen übernahmen die Stärkung der Zugteilnehmer und der Zuschauer mit einem „Verpflegungstrupp“, der Holzfällerfrühstück und Apfelwein ausgab. Für das leibliche Wohl sorgten aber auch der Bierwagen eines örtlichen Gertränkevertiebs und ein Bäckermeister mit seinem „Backmobil 2000“, das gut mit Kerbkuchen gefüllt war. Auch ein Autohaus beteiligte sich an dem bunten Treiben.

Ihre Zuneigung zu den „Zillertaler Schürzenjäger“ demonstrierten einige Fans auf einem Motivwagen. Für Musik sorgten auch der Spielmannszug Frankenhausen unter der Leitung von Frank Ackermann und der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde unter Friedel Renkel. Der Verschönerungsverein Reichenbach war mit seiner Trachtengruppe vertreten.

Der Kerbwatz dufte auch nicht fehlen und die Kerbjugend aus Brandau und Klein-Bieberau hatten Gruppen geschickt, um „Aufbauhilfe“ in Gadernheim zu leisen. Als weiteren Beitrag war die „Borgers-Mühle“ zu sehen die früher Korn zu Mehl verarbeitete und jetzt Gerste zu flüssigen Stoffen. Weitere Motivwagen hatten Themen aus der Kerbredd aufgegriffen.


Beschwipste Pferde und Geldfälscher BA-Bericht vom 13.10.97

Gestern hielten Hans-Peter Mink und sein Mundschenk Sascha Böhm ihre erste Kerbredd

Zum ersten mal seit 46 Jahren wurde gestern in Gadernheim wider eine Kerbredd vorgetragen. Kerbparrer Hans-Peter Mink und Mundschenk Sascha Böhm trugen die Ansprache wechselweise vor. Dabei gingen sie zunächst auf die Vorarbeit zu dem Fest ein: „Es woar net oafach, das alles ufzubaue“. Es sei zu hoffen dass die Kerb nun wieder regelmäßig im großen Rahmen gefeiert wird.

Für die Kerbredd hatte die Kerbjugend einige interessante Geschichten aus dem Dorfleben notiert. Dabei wurde auch an den Nachbarort Raidelbach gedacht, der zwar seine eigene Kerb feiert, dies aber nur im kleinem Rahmen. Von einem Kneipenbesuch des „Raalbesche Boyermoschde“ wurde berichtet. „Es werde gedrunge, gebabbelt un gelacht. Beim Blick uff die Uhr wird kloar, des wird e korzi Nacht“. Nach dem Ende dieser Visite folgt der große Schreck: „Es is net zu glaawe, es Auto woar weg. In Panik is er gesprunge, die Stroß nuf un nunne, es Auto hoat er trotzdem net gefunne. Des konnt er a net, weil des stoand zu Haus, denn er woar on den Owend mit onnern Leit aus“.

Auch ein Hundeleben, wurde zum Thema der Kerbredd. „Uff em Bechkopp“ ist nämlich die „Dackelepidemie“ ausgebrochen. Ein frischgebackener Hundebesitzer hatte aber wohl etwas zu viel erwartet. Er besorgte sich zunächst einmal die Hundehalter-Grundausstattung. Ȏ Bärschd zum Kämme wird a noch mitgenumme – hiegehockt un geword, bis des Hundsche is gekumme“. Das stellte sich dann als relativ kleines Exemplar heraus. Über den beschafften Hundekorb jedenfalls wusste der Mundschenk zu berichten: „Er liewe Leit, er werds net glaawe, der Hund hoat sich do drin glatt verlaafe“. Ein Pferdeliebhaber hatte andere Sorgen: eines seiner Rösser machte Sperenzchen. „Es hoat verleiert die Aache, hot geschittelt die Mähn. Is fascht sou buggelisch gelaafe wie e Hyän.“ Der Grund: „Gegorne Beern mache den Gaul sou bertoffe. Uff gut Deitsch, des Pferd is besoffe“.

„Woann die Loandfraue sinn uff Tour is fun Traurigkeit koa Spur.“ Zwei der Teilnehmerinnen bestellten beim Mittagessen „Cordon bleu“, der Kellner brachte Kartoffelsuppe. Diese wurde als Vorspeise akzeptiert, dann aber das Hauptgericht eingefordert. „Do hoat sisch doann a glei rausgestellt, dass die mit erm Auswerts woas oanneres häwwe bestellt. Un die Moral vun der Geschicht: Eßt negschdens Schnitzel, do bassiert souwos nicht.“

Etwas länger dauert es in diesem Dorf, bis sich die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass die Bundesbank die Hundert-Markscheine runderneuert hat. Auf den Mäusen prangt neuerdings ein weiteres Sicherheitsmerkmal, ein Hologramm. In Gadernheim wurde das zum Problem. Als ein Kunde mit einem solchen Schein bezahlen wollte, weigerte sich eine Verkäuferin ihn anzunehmen. Erst die Polizei konnt die Dame überzeugen, dass sei keinem dreistem Geldfälscher gegenüberstand.

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